Der Abschied geht neue Wege

Die Urnenbeisetzung wird auch am Land immer beliebter. Das hat mit der Grabpflege zu tun. Es gibt auch alternative Bestattungsformen.

 

Wenn die Familienangehörigen einander zu Allerheiligen und Allerseelen auf dem Friedhof treffen, wird das immer öfters bei Urnenwänden der Fall sein. Die Zahl der Erdbestattungen geht nämlich dramatisach zurück – und das nicht nur im städtischen Bereich.

Norbert Glaser, Pfarrer von Premstätten und Wundschuh, weiß zu berichten, dass in seinem Pfarrverband noch vor einem Jahrzehnt auf zehn Erdbestattungen eine Urnenbeisetzung kam. Heute hat sich dieses Verhältnis schon auf 60:40 verschoben. Pfarrer Robert Strohmaier aus St. Veit am Vogau gibt dieses Verhältnis mit 80:20 an, fügt aber sofort hinzu, dass der Trend zur Feuerbestattung auch im südoststeirischen Raum stark zunimmt. Einen traditionell hohen Anteil an Urnenbestattungen gibt es in der Obersteiermark und da vor allem in Knittelfeld. Dort machen die Urnenbeisetzungen etwa 80 Prozent aus. Ein Grund dafür ist wohl auch die Tatsache, dass eines der zwei steirischen Krematorien in Knittelfeld liegt. Das zweite Krematorium befindet sich in Graz. Hier liegt der Anteil der Feuerbestattungen bei 70 Prozent.

Friedhof

Immer weniger Menschen entscheiden sich für die gewöhnliche Erdbestattung.

Dechant Hans Schrei aus Graz-St. Leonhard war 19 Jahre lang Stadtpfarrer von Knittelfeld (1989 bis 2008) und erinnert sich, dass er zu Beginn seiner Pfarrer-Tätigkeit in Knittelfeld von der hohen Anzahl der Urnenbeisetzungen sehr irritiert war. Heute sieht er das lockerer: „Viele wollen ein Urnengrab, weil sie Angst haben, dass ein übliches Grab nicht ausreichend gepflegt werden wird. Die Kinder leben oft ganz woanders und kommen nur mehr selten auf den Friedhof.“ Auch Pfarrer Glaser schlägt in dieselbe Kerbe: „Die Urnenbestattungen nehmen deswegen stark zu, weil viele nicht wissen, wer nach ihrem Tod auf das Grab schauen wird.“

 

Urne

Urnengräber werden immer „beliebter“.

 

Die steirischen Pfarren haben auf diesen Trend in den vergangenen Jahren insofern reagiert, indem sie Urnennischen oder Urnengräber anbieten.

Es gibt aber auch alternative Formen der Bestattungen. Im Kumberger „FriedWald“ wird die Asche des Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. In der Pfarre Graz-St. Leonhard wird diese Bestattungsform auf einer kleinen Teilfläche des großen Friedhofsareals unter der Bezeichnung „Bestattung im Grünen“ angeboten.

Man kann die Urne aber auch daheim aufbewahren. Dafür braucht man allerdings die Bewilligung des Bürgermeisters. Voraussetzung dafür ist, dass die Verwahrung nicht gegen Anstand und gute Sitten verstößt.

 

Feuerbestattung

Die Verbrennung von Leichen wurde von der Kirche lange Zeit heftig bekämpft. Als Sanktion drohte sie mit der Exkommunikation und der Verweigerung der Sakramente für Sterbende. Das erste österreichische Krema­torium wurde im Jahr 1922 gegenüber dem Wiener Zentralfriedhof eröffnet. Die erste Verbrennung fand 1923 statt, obwohl der zuständige christlich-soziale Minister für soziale Verwaltung, Richard Schmitz, am Tag zuvor den Betrieb des Krematoriums verboten hatte. Als Folge wurde der Wiener Bürgermeister Jakob Reumann beim Verfassungsgerichtshof geklagt, der jedoch für die Stadt Wien entschied.

Von Seiten des Staates wurde die Feuerbestattung der Erdbestattung am 15. Mai 1934 gleichgestellt. Die katholische Kirche lehnte hingegen die Verbrennung von Leichen weiterhin ab. Erst am 24. Oktober 1964 erteilte der Vatikan die offizielle Zustimmung zur Feuerbestattung.

In Österreich gibt es insgesamt 13 Krematorien („Feuerhallen“), die für die Einäscherung der Verstorbenen zur Verfügung stehen. Das Land Steiermark verfügt über zwei Krematorien, nämlich in Graz und in Knittelfeld. Das Grazer Krematorium wurde in den Jahren 1931 und 1932 nach den Plänen des Architekten Erich Boltenstern im Auftrag des Feuerbestattungsvereins „Die Flamme“ errichtet. Der Bau des Knittelfelder Krematoriums erfolgte im Jahr 1975.

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