Das Boden-Drama

Die Vereinten Nationen haben das „Jahr der Böden“ ausgerufen – vor brisantem Hintergrund. Weltweit gehen kostbare Flächen verloren.

 

Boden scheint unerschöpflich. Er ist einfach da. Unter unseren Füßen, unter den Feldern, dem Gras und den Bäumen. Wir leben von und auf dem Boden, aber wir schenken ihm kaum Beachtung.

Wer denkt schon beim Essen an den Boden, auf dem fast alle unsere Lebensmittel gedeihen? Dabei wäre gerade das wichtig. Denn Böden sind die Grundlage für unsere Lebensmittelproduktion. Sie versorgen die Pflanzen mit Nährstoffen und Wasser. In jedem Erdapfel, jedem Brot, aber auch in jedem Schnitzel stecken Nährstoffe aus dem Boden. Ohne gesunde Böden können keine guten Lebensmittel produziert werden.

Die weltweit verfügbare Bodenfläche ist die Basis für Lebens- und Futtermittelproduktion, zur Erzeugung nachhaltiger Energie und zur Gewinnung von Fasermaterial, wie zum Beispiel Baumwolle. Daneben ist der Boden auch für zahlreiche entscheidende ökologische und klimaregulierende Vorgänge zuständig. Böden filtern Regenwasser und schaffen so neues, sauberes Trinkwasser. Sie regulieren das Klima, denn sie sind nach den Ozeanen der größte Kohlenstoffspeicher der Erde. Sie sammeln mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Welt gemeinsam.

Lebendig

Außerdem sind Böden höchst lebendig. In einer Handvoll Erde leben mehr Organismen, als Menschen auf unserem Planeten. So tummeln sich unter einer Fläche von einem Hektar Land 15 Tonnen Bodenlebewesen. Es sind Bakterien, Pilze, Würmer, Larven, Spinnen und Asseln. Zusammen wiegen sie so viel wie 20 ausgewachsene Kühe. Ein guter Boden ist reich an Humus und Mineralen, locker, gut durchlüftet und er kann ausreichend Wasser speichern. Je nach Klimazone dauert es einige Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende, bis sich mehrere Zentimeter oder einige Meter Boden bilden.

Die UNO hat sich mit dem „Jahr der Böden“ drei wichtige Ziele gesetzt: Der Verlust an Biodiversität soll gestoppt werden, die Klimaerwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius ansteigen und jeder Mensch ein Recht auf ausreichend Nahrung haben. Das Entscheidende dabei: Ohne fruchtbare Böden kann keines dieser Ziele erreicht werden!

Versorgung

Weltweit wird die rasant zunehmende Bodenversiegelung zum Problem – ausgelöst wird sie in erster Linie durch das rasche Ausbreiten der Städte, in denen mittlerweile schon mehr als die Hälfte aller Menschen lebt. Kostbare Agrarflächen müssen rund um den Globus weichen – was langfristig zu einem schwerwiegenden Problem bei der Versorgung mit Lebensmitteln werden dürfte.

Außerdem beklagen Fachleute, dass viele wertvolle Böden falsch oder zu intensiv genutzt werden. Das kann innerhalb weniger Jahre dazu führen, dass sie ihre Fruchtbarkeit und damit die Ertragsfähigkeit verlieren. 20 bis 25 Prozent aller Ackerflächen sind global betrachtet davon betroffen. Anders ausgedrückt: Jahr für Jahr verschlechtert sich die Ertragsqualität einer Fläche von der Größe Österreichs, warnen internationale Studien.

Nachfrage

In den Schwellen- und Entwicklungsländern steigt, so zeigen Marktdaten, die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Vor allem Fleisch ist zunehmend begehrt. Was dazu führt, dass auch Anbauflächen für die Produktion von Futtermitteln verwendet werden, was aus Sicht der Kalorienbilanz zum Nachteil werden kann. Was allerdings – wie viele Fachleute sagen – nicht generell als Argument gegen die wachsende Fleischproduktion herhalten darf.

Weideland

Die Experten machen darauf aufmerksam, dass zwei Drittel der weltweit landwirtschaftlich genutzten Flächen Weideland darstellen. Das sind zum Beispiel Berg- und Hügelgebiete, die afrikanische Savanne oder Teile der südamerikanischen Pampas. Nur sehr wenige dieser Gebiete lassen sich als Ackerland nutzen. Würden dort also keine Rinder, Ziegen und Schafe grasen, blieben die Böden weitgehend ungenutzt.

Im Thema Boden steckt also für die nächsten Jahre noch viel Brisanz!

 

Haben Sie das gewusst?

 

  • Die weltweit landwirtschaftlich genutzten Böden umfassen 38,5 Prozent der gesamten weltweiten Landflächen von zirka 150 Millionen Quadratkilometern.
  • 32 Prozent der Landflächen sind Wälder.
  • Mehr als 70 Prozent der gesamten Weltoberfläche sind von Wasser bedeckt.
  •  Jedes Jahr gehen weltweit drei Millionen Hektar fruchtbaren Bodens für die Bewirtschaftung verloren.
  •  2,6 Milliarden Menschen auf der Welt arbeiten auf 525 Millionen Bauernhöfen.

 

 

 

 

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