„Da lässt sich nichts wegdiskutieren“

Zum Start der NL-Serie: LR Hans Seitinger über Klimawandel, Zukunftsperspektiven, Absicherung und persönliche Betroffenheit.

NEUES LAND: Frost-Katastrophe, Extrem-Niederschläge und schwerster Hagelschlag – die steirische Landwirtschaft war heuer von einer furchtbaren Serie betroffen. Besteht für Sie ein Zusammenhang mit dem Klimawandel?

Hans Seitinger: Ja, definitiv, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Denken wir nur an die letzten Jahre, wo wir von Naturkatastrophen aller Art regelrecht gejagt worden sind. Da gab es etwa die Dürre im Jahr 2013, dann die furchtbaren Stürme die uns große Flächen von Wäldern niedergerissen haben, Hagel-Niederschläge in Serie und nicht zuletzt die Frost-Katastrophe des heurigen Jahres.

NL: Wie sollten landwirtschaftliche Betriebe darauf reagieren, dass sie in Zukunft mit gravierend veränderten Rahmenbedingungen zu rechnen haben? Mit einer konstanten Klimaerwärmung auf der einen und  mehr schwerwiegenden Wetterkapriolen auf der anderen Seite.

Seitinger: Wenn wir die kleinstrukturierte heimische Landwirtschaft in dieser Form erhalten und unsere Versorgungssicherheit damit sicherstellen wollen, müssen neue, intelligente und vor allem leistbare Vorsorgemodelle angeboten werden, die dann auch eine hohe Akzeptanz finden. Das bringt im Extremfall zwar nicht die Ernte zurück, ist aber für eine Existenzabsicherung unabdingbar.

NL: Was kann von Seiten des Landes geschehen, um den Bäuerinnen und Bauern angesichts der schwierigen Zukunftsperspektiven mehr Sicherheit zu geben?

Seitinger: Entscheidend ist, dass die landwirtschaftliche Produktion erhalten bleibt und unsere Bauernfamilien weiterhin motiviert und mit einer positiven Perspektive ausgestattet ans Werk gehen können. In diesem Sinne ist von den bürokratischen Hürden bis hin zu den Märkten vieles unternehmerfreundlicher zu gestalten. Höchste Priorität, und da kann auch jeder von uns seinen Beitrag leisten, müssen aber Klimaschutzmaßnahmen haben. Nur damit können wir negativen Auswirkungen langfristig entgegensteuern.

LR Hans Seitinger in Sachen Klimawandel: „Es müssen neue Vorsorgemodelle angeboten werden.“

NL: Wie geht es dem Bauernbund-Landesobmann ganz persönlich mit dieser Situation? Die vielen Lokalaugenscheine in der ganzen Steiermark haben Ihnen ja jeweils beklemmende Bilder vermittelt.

Seitinger: Wenn man sich die umfangreichen Schäden vor Ort ansieht und dabei in die Gesichter der betroffenen Bäuerinnen und Bauern blickt, leidet man sehr mit. Wir versuchen natürlich im Rahmen all unserer Möglichkeiten so schnell wie möglich Hilfe anzubieten, damit die Existenzen gesichert werden können. Denn wer schnell hilft, hilft ja bekanntlich doppelt.

Foto: Oliver Wolf

 

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