Bürgermeister für Ökostrom

Rettungsversuch in letzter Sekunde, um Aus der Bioenergieanlagen zu verhindern, die Ökostrom und regionale Nahwärme erzeugen.

Petition gegen Kahlschlag und für Fortführung der Biogasanlagen. Die Zukunft der Biogasbranche hängt am seidenen Faden. Beschließt am kommenden Mittwoch das Parlament die geplante Gesetzesnovelle, dann ist das das Aus eines Großteils der 290 österreichischen und 37 steirischen Biogaslagen. Diese versorgen mit ihren effizienten Doppelnutzungsanlagen über das öffentliche Stromnetz österreichweit 160.000 Haushalte mit Ökostrom (Steiermark: 30.000 Haushalte) und tausende Wohnungen, Einfamilienhäuser, Schulen, Pensionistenheime unter anderem mit regionaler Nahwärme und liefern wertvollen Ökostrom. Gegen diesen energie- und klimapolitischen Kahlschlag im ländlichen Raum wehren sich jetzt 14 steirische Bürgermeister, in deren Gemeinden diese Bioenergieanlagen nicht mehr wegzudenken sind. In einer Petition an Bundeskanzler Christian Kern, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, den Klubobleuten aller im Parlament vertretenen Parteien und deren Energiesprecher sowie an alle 183 Nationalratsabgeordneten fordern sie eine Fortführung der bestehenden, effizienten Anlagen.

Politischer Willkürakt bringt Gemeinden und Bevölkerung in arge Bedrängnis. Der Sprecher der Bürgermeister-Initiative „Pro Ökostrom“, der Bad Blumauer Bürgermeister Franz Handler spricht von einem politischen Willkürakt und führt ins Treffen: „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf.“ Tatsächlich importiert Österreich Jahr für Jahr mehr riskanten Atomstrom sowie klimaschädlichen Kohlestrom und lässt sich das 400 Millionen Euro kosten. Da aber die Biogasanlagen zusätzlich zum Ökostrom – sie versorgen über das öffentliche Stromnetz 160.000 Haushalte (Steiermark: 30.000 Haushalte, Bad Blumau: 1.200 Haushalte) – auch regionale Ökowärme erzeugen, kommen Bevölkerung und Gemeindeverantwortliche in arge Bedrängnis. Handler: „Ich bin sehr besorgt, weil durch dieses mutwillige Vorgehen bei uns in Bad Blumau 20 Wohnungen, acht Einfamilienhäuser, die Volksschule, das Sportzentrum, das Pensionistenheim mit spezieller Betreuung der Alzheimerpatienten, ein Autohaus sowie das Feuerwehrgebäude kalt bleiben.“ Steiermarkweit beziehungsweise österreichweit wären tausende öffentliche Gebäude, Einfamilienhaus- und Wohnungsbesitzer betroffen. Handler: „Die bestehenden bewährten Anlagen abzuwracken, um dann wieder neue Anlagen aufzubauen, um die Energieversorgung zu sichern, ist verantwortungslos.“

Biogasanlagen sorgen auch für gute Luft und eine gesunde regionale Wirtschaft. Durch die Biogasanlagen wird der wichtige Naturdünger Gülle fast geruchlos gemacht und zusätzlich der in der Gemeinde anfallende Grünschnitt von Parkanlagen und sonstigen Grünflächen ökologisch verarbeitet. Dieser Naturdünger wird im Sinne der Kreislaufwirtschaft auf den Feldern und Äckern völlig geruchlos ausgebracht. Handler: „Wir wollen nicht, dass in unserer Gemeinde das Geruchsthema wieder aufflammt, wenn die Gülle unverarbeitet auf den Feldern ausgebracht werden muss.“ Insgesamt investieren die steirischen Biogasbetreiber jährlich 15 Millionen Euro und sichern dadurch 600 Arbeitsplätze im ländlichen Raum (Österreich: 110 Millionen Euro, 3.500 Arbeitsplätze).

Ökostromzuschlag: 1,80 Euro pro Monat. Mit einem immer wieder gezielt kolportierten Vorurteil räumt der Sprecher der steirischen Biogasanlagenbetreiber, der Bad Blumauer Johannes Hauptmann auf: „Auf der Stromrechnung macht sich Biogas-Ökostrom mit 1,80 Euro pro Monat bemerkbar. Das ist nicht einmal die Hälfte dessen, was ein Krügerl Bier im Gasthof kostet. Das sollte uns ein gutes Gewissen wert sein.“

Foto: Fotolia/Countrypixel

 

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