Brennpunkt: Pflanzenschutz

Vertreter von Landwirtschaft, Verarbeitungsindustrie, NGOs, Wirtschaft und Wissenschaft sind gestern Nachmittag beim ersten von der IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) veranstalteten Dialog der Frage nachgegangen, wie es auch in Zukunft gelingen kann, hochqualitative Lebensmittel zu erzeugen. Für IGP-Obmann Christian Stockmar ist in Österreich eine starke “Chemiephobie” erkennbar. Pflanzenschutzmittel würden gesellschaftlich sehr kontrovers gesehen, von manchen Gruppierungen und Medien würde “mit der Angst der Menschen gespielt”, obwohl sie zu den “am besten untersuchten Produkten zählen”. Mit dem Dialog wolle man eine Plattform für eine neutrale Diskussion aller Beteiligten bieten.

 

Für Keynote-Speaker Josef Pröll, Generaldirektor der Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG (LLI), ergeben sich aus dem zentralen Thema zahlreiche Fragen. Etwa jene vom Eindruck der Menschen von der Landwirtschaft. “Unsere Gesellschaft lebt von Anmutungen über diesen Berufsstand. Während in der Preisdebatte alle mitreden können, ist der Prozess der Erzeugung völlig unter die Räder gekommen.” Den Konsumenten die heutige technologische Landwirtschaft zu erklären sei aber keine leichte Aufgabe. “Die Verbraucher verlangen hygienisch und gesundheitsmäßig absolute Sicherheit, die unsere Landwirte in ihren Produktionszyklen gewährleisten müssen. Ihnen die Lizenz zum Produzieren zu erteilen, sie aber gleichzeitig in jeder erdenklichen Form dabei zu beschneiden, ist nicht zielführend”, verweist der LLI-Chef auf die Notwendigkeit rechtlich verbindlicher Rahmenbedingungen.

Wahlfreiheit für Landwirte und Respekt für deren Entscheidung

Pröll hält auch nichts von “Gesinnungsterror”. “So wie sich die Verbraucher bei der Wahl ihrer Nahrungsmittel nicht einschränken lassen wollen, muss diese Freiheit auch den Bauern im Hinblick auf deren Produktionsweise zugestanden werden und sie ist zu respektieren. Zwangssysteme sind hier fehl am Platz.” Ebenso dürfe bei der Kaufentscheidung der Preis nicht “das allein selig machende Argument” sein. “Mit guter Produktdifferenzierung kann jeder Bauer seine Margen machen”, ist er überzeugt. Schließlich sei ein wesentlicher Faktor nicht zu übersehen – die begrenzte Bodenfläche bei gleichzeitig steigender globaler Bevölkerungszahl und geänderten Ernährungsgewohnheiten.

Sinabell: Nutzen und Kosten des PSM-Verbots müssen sich die Waage halten

Während Huem Otero, Landwirtschaftssprecherin bei Greenpeace, in der Frage der weltweiten Ernährungssicherung nicht Österreich in der Pflicht sieht (“Die Welt muss sich selbst ernähren, das ist nicht Österreichs Aufgabe”) und die Minimierung der Lebensmittelverschwendung sowie ein Umdenken der Verbraucher in Sachen Ernährung für gute Ansätze hält, verweist Franz Sinabell vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) auf den sinkenden Versorgungsgrad in Österreich (generell unter 100%), obwohl die Ressourcen zum Gegensteuern vorhanden wären. “Wir müssen unseren Landwirten den Zugang zu den bestmöglichen Technologien bieten, um unseren Beitrag zur Welternährung zu leisten.” Ein politischer Federstrich habe dabei sehr viele Implikationen, verweist Sinabell auf die jüngsten Verbote von Pflanzenschutzmitteln in Österreich und der EU und gibt gleichzeitig zu bedenken, dass “der Vorteil des Substanzverbots ebenso groß sein muss, wie die Kosten, die daraus entstehen”. Hier sei eine faktenorientierte Diskussion zwingend notwendig.

Steinkellner: Pflanzenschutzmittel sind unverzichtbar

Auch Siegrid Steinkellner, Leiterin der Abteilung Pflanzenschutz an der Universität für Bodenkultur Wien, betonte: “Ohne Pflanzenschutzmittel kann die sichere Lebensmittelversorgung nicht funktionieren.” Es werde immer Schädlinge und Krankheitserreger geben, die Frage sei nur, wie damit umgegangen werde. Fruchtfolge sei ein essenzieller Faktor in der Pflanzenproduktion, doch nicht die Lösung des Problems. Ebenso wenig sei mit Bio die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, da die Erträge laut einer aktuellen Studie 20% niedriger als bei der konventionellen Erzeugung ausfallen.

 

Zusä

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentieren

*