Bauerntag und Waldfest in der Grazer Innenstadt

Eine Leistungsschau der land- und forstwirtschaftlichen Vielfalt konnten tausende Besucher des Bauertages an 30 Ständen in Herrengasse und im Landhaushof und beim Waldfest an 24 Informationsständen am Hauptplatz genießen. Zum dritten Mal fand das Waldfest zeitgleich mit dem traditionellen Bauerntag statt. Graz ist die größte Bauerngemeinde der Steiermark, aber auch jene mit den meisten Konsumenten und der höchsten Kaufkraft. Daher stürmen einmal im Jahr die Bauern aus der ganzen Steiermark die Landeshauptstadt.

Wert der Lebensmittel „Die Vermittlung des Wertes regionaler Lebensmittel und die Bewusstseinsbildung der Konsumenten, dass sie mit ihrer Kaufentscheidung über die Art der steirischen Landwirtschaft entscheiden, steht im Vordergrund“ erklärte Bauernbund-Obmann Landesrat Hans Seitinger den Sinn des Bauerntages. Die bäuerlichen Familienbetriebe in der Steiermark produzieren durch ihren sorgsamen und bewussten Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt hochqualitative und geschmackvolle Lebensmittel. „Denn gesunde Tiere, die artgerecht gehalten und gefüttert werden, sind die wichtigste Voraussetzung für Geschmack und Qualität. Daher sind die Bauern auch die wahren Tierschützer, die sich jeden Tag um das Wohl ihrer Tiere sorgen“ verwies Hans Seitinger auf die europaweit höchsten Tierschutzstandards, die insbesondere dem politischen Druck der Verbraucher folgend, in

Die Verantwortlichen des Bauerntages und des Waldfestes.

Die Verantwortlichen des Bauerntages und des Waldfestes.

Österreich gesetzlich festgelegt wurden. „Diese gesetzlichen Vorgaben, unsere kleinen Strukturen und die hohen Qualitätsanforderungen führen naturgemäß zu Mehraufwendungen in der Produktion, die jedoch nur fallweise auch preislich abgegolten werden. Der direkte Ausgleich für die Mehrkosten und die nicht handelbaren Leistungen ist daher unverzichtbar. Die qualitativ hochwertige steirische Lebensmittelproduktion kann nicht zu Schleuderpreisen erfolgen, weil sie erheblich mehr wert ist als Billigprodukte aus dem Ausland“, resümierte Hans Seitinger über die „Geiz-ist-geil“ Mentalität, die nach dem Motto „Lebensmittel egal wo her – Hauptsache billig“ importierten Produkten ausländischer Agrarindustrien und vielfach auch Betrügereien Tür und Tor öffnet. „Die Bauern machen den ländlichen Raum lebenswert und sie sichern rund 530.000 Arbeitsplätze in Österreich im vor- und nachgelagerten Bereich“ verdeutlicht Seitinger die Leistungen der Bauernschaft. Unmissverständliche Produktkennzeichnung „Wo Steiermark draufsteht muss die Steiermark drin sein“ verwies Seitinger auf die geforderte Klarheit bei der Produktkennzeichnung und stellt klar, dass die Marke Gutes vom Bauernhof für höchste Qualität in der bäuerlichen Direktvermarktung steht und den Konsumenten ehrliche und sichere Qualität bietet. Das AMA-Gütesiegel ist das einzige Gütesiegel, das für garantiert österreichische Qualität steht. „Wir machen nicht nur Werbung mit der unglaublichen Schönheit unserer Kulturlandschaft, die von Bauernhand geformt wurde, wir zeigen unseren Kunden mit dem AMA-Gütesiegel auch, dass in den so gekennzeichneten Produkten diese Kulturlandschaft drinnen ist“, richtete Seitinger den Appell an alle Verarbeiter und Vermarkter, für Klarheit bei der Produktkennzeichnung zu sorgen. „Produkte aus der Region werden in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen“ ist Seitinger überzeugt von der verstärkten Entwicklung regionaler Marken, „daher wird die Lebensmittelkennzeichnung die Nabelschnur für bäuerliche Produktion.“ Wald ist das Multitalent unseres Landes „Das grüne Herz Österreichs, der steirische Wald, schlägt kräftiger als je zuvor. Über 60 Prozent unseres schönen Bundeslandes sind damit bedeckt. Holz ist der intelligenteste Wert- und Werkstoff den unser Land besitzt. Mit rund 55.000 Arbeitsplätzen ist er auch der größte Arbeitgeber im Land. Unser Wald ist also ein echter Alleskönner und Hoffnungsträger für die Zukunft. Egal ob als Begegnungsraum der Artenvielfalt, als Erholungsraum für Menschen, als Schutz vor Naturgewalten, als wichtiger Wirtschaftsfaktor oder auch als Energieversorger, der steirische Wald ist das Multitalent unseres Landes. Die heute von der Gesellschaft so geschätzten grünen Lungen und deren Leistungen sind ein Ergebnis unserer nachhaltigen und aktiven Forstwirtschaft. Daher gilt es die steirischen Waldeigentümer weiter zu motivieren, diese so wichtige Ressource nachhaltig zu pflegen und zu bewirtschaften, damit der steirische Wald die zahlreichen Funktionen für unsere Gesellschaft auch weiterhin erfüllen kann.“, so Landesrat Hans Seitinger. Bevölkerung ist stolz auf bäuerliche Familienbetriebe „Eine bundesweite, repräsentative Umfrage (Oekonsult, April 2013), bei der das Stimmungsbild der Bevölkerung gegenüber der Landwirtschaft abgefragt wurde, zeigt, das die Bevölkerung hinter den Bäuerinnen und Bauern steht, weil sie unsere Leistungen und gesunde, regionale Lebensmittel schätzen“, freute sich Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Maria Pein über den Zuspruch der Bevölkerung und sieht darin den Auftrag „den Erfolgsweg der steirischen und österreichischen Landwirtschaft konsequent weiterzugehen“. Die Top-Ergebnisse: 91 Prozent der Österreicher sagen, „die Bauern sind für Österreich wichtig“, 85 Prozent stehen „auf der Seite der Bauern“. 81 Prozent meinen, „die Bauern leisten einen hohen Beitrag zum Gemeinwohl“. 81 Prozent unterstützen die Landwirtschaft, weil „die Bauern den Tisch decken, auf die Landschaft schauen und nachwachsende Energie herstellen“. Nur 14 Prozent sagen, dass sie für ihre Produkte und Leistungen angemessen und fair bezahlt werden. Familienlandwirtschaft schützt die Lebensgrundlagen „Da die Familienbetriebe von Generation zu Generation weitergegeben werden, legen die Bewirtschafter besonderen Wert, dass die Böden, Wasser und Luft geschützt bleiben“, unterstreicht Maria Pein die positive Einstellung der bäuerlichen Familienbetriebe zu Natur und Umwelt. So ist der Humusgehalt der heimischen Böden in den vergangenen 15 Jahren gestiegen und liegt heute um zehn bis 20 Prozent höher als in den 1990er Jahren. Seit 2007 wurden mehr als 1.250 Hektar Blühflächen auf Äckern neu angelegt. Dazu kommen rund 45.000 Hektar Begrünungen auf Acker-, Obst- und Weingartenflächen von rund 8.200 Bauern, die unsere Kulturlandschaft bereichern. Steirische Landwirte pflegen insgesamt 9.000 Hektar Hecken, Wegränder oder Trockensteinmauern, die wichtige Lebensräume zum Erhalt des Artenschutzes sind. Und: Durch das Umweltprogramm wurden 113 seltene landwirtschaftliche Kulturpflanzen und 31 vom Aussterben gefährdete Tierrassen unterstützt und erhalten. Unternehmensmodell „Bäuerlicher Familienbetrieb“ hat Zukunft „Das Unternehmensmodell Bäuerlicher Familienbetrieb ist zukunftsorientiert. Es ist flexibel und kann sich auf Veränderungen rasch einstellen. Das gemeinsame Wirtschaften mehrerer Familienmitglieder ist der Schlüssel für den Erfolg“, zeigte Pein die Vorteile unserer kleinstrukturierten Land- und Forstwirtschaft „dazu kommen Pioniergeist, eine gute Ausbildung und großer Fleiß. Mit Bildung und Beratung unterstützt die Landwirtschaftskammer die bäuerlichen Familienbetriebe in ihrer Entwicklung und Innovationskraft“. „Unser Wald in guten Händen – waldwirtschaftwirkt“ 6. Fest für den Wald am Grazer Hauptplatz am 11. Juni 2014 Der steirische Wald erfüllt vielfältige Funktionen. Er ist zentraler Begegnungsraum für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten und der Biodiversität, Lieferant für sauberes Trinkwasser, reine Luft, erneuerbare Rohstoffe und Energie, ein wichtiger Erholungsraum für uns Menschen, Klimaregulator und Schutz vor Naturgefahren. Er bietet Arbeitsmöglichkeiten im ländlichen Raum und ermöglicht Einkommen über die gesamte Wertschöpfungskette – vom Wald über das Sägewerk bis zur Papier- und Plattenfabrik, dem Tischler und dem Konsumenten. Seit über 150 Jahren setzt sich der Steiermärkische Forstverein für ein ausgewogenes Mit- und Nebeneinander von Mensch und Natur als Voraussetzung für die Erhaltung unserer Wälder und Sicherung ihrer vielfältigen Wirkungen ein. Unter dem Motto „Unser Wald in guten Händen – WaldWirtschaftWirkt“ veranstaltete heuer der Steiermärkische Forstverein wieder gemeinsam mit 24 für den Wald und dessen Bewirtschaftung wichtigen Organisationen am 11. Juni von 10 bis 18 Uhr am Grazer Hauptplatz das Waldfest für die breite Bevölkerung des Landes. Das Waldfest fand bereits zum 6. mal statt und bildet den Auftakt für die „Woche des Waldes“, welche alljährlich vom „Ministerium für ein lebenswertes Österreich“ ausgerufen wird. Unser Wald hat insbesondere in der grünen Steiermark einen besonderen Stellenwert. Daher ist es außerordentlich wichtig, die Bevölkerung, besonders auch die Kinder und Jugendlichen über die Zusammenhänge im Ökosystem Wald zu informieren und ihnen eine Plattform für den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu bieten. Weitere Statements der teilnehmenden Organisationen: DI Maria Patek, BMLFUW „Nur ein bewirtschafteter Wald ist ein schützender Wald. Ohne die Schutzfunktion des Waldes könnte knapp die Hälfte des Lebens- und Wirtschaftsraumes in Österreich nicht genutzt werden. Intakte Schutzwälder sparen Österreich teure technische Verbauungen im Wert von € 600 Mio. jährlich. Diese Tatsache ist den 145.000 WaldbesitzerInnen zu verdanken, die seit Jahrhunderten durch ihre nachhaltige Bewirtschaftung Österreichs Wälder schützen, pflegen und nachhaltig nutzen.“ Carl Prinz von Croy, Obmann Land&Forst Betriebe Steiermark Wie alle Bodenbewirtschafter in Österreich stehen auch die Waldeigentümer unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit. Zu Recht! Stellt doch der Wald nicht nur einen großen volkswirtschaftlichen Wert dar, sondern ist auch Teil der steirischen Kultur und Tradition. Er ist Erholungsraum sowie Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen und nicht zuletzt der Anfang einer Wertschöpfungskette, welche in Österreich 280.000 Arbeitsplätze sichert. Durch besondere Bodenständigkeit und Erdverbundenheit ist es den steirischen Waldeigentümern stets glaubwürdig gelungen, ihre Leistungen für diesen so wichtigen Teil unseres Landes jeden Tag unter Beweis zu stellen. Die von Gesellschaft und Gesetz gestellten Anforderungen an die vielfältigen Funktionen des Waldes können nur durch eine flächendeckende Bewirtschaftung gesichert werden. Ing. Christian Mandl, Präsident Stmk. Landarbeiterkammer Die Arbeit im Wald ist und bleibt sehr gefährlich. Das haben uns viele schwere Forstunfälle in den letzten Monaten wieder schmerzlich vor Augen geführt. So gab es im Vorjahr alleine unter den unselbständigen Arbeitnehmern in der Steiermark 143 Unfälle. Zwei davon endeten tragischerweise sogar tödlich. Daher ist es entscheidend, dass gut ausgebildete Fachkräfte in den heimischen Forsten arbeiten, die die lauernden Gefahren kennen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Forstarbeiter-Lehre wieder forciert wird. Nur so kann garantiert werden, dass unser Wald auch in Zukunft in wirklich fachkundig guten Händen bleibt. Sepp Reisenbichler, Branchenvorsitzender PRO-GE Nachhaltigkeit wird in der Forstwirtschaft großgeschrieben. Dabei verliert die Branche jährlich im Schnitt 50 FacharbeiterInnen. Die Gründe dafür: Forstarbeit ist Schwerstarbeit, gefährlich und relativ schlecht bezahlt. „Ein Forstarbeiter verbraucht täglich umgerechnet bis zu zwölf Wiener Schnitzel an Kalorien, Muskel- und Skeletterkrankungen sind keine Seltenheit, der durchschnittliche Nettoverdienst in der Privatwirtschaft liegt dennoch bei nur 1.400 Euro. Und wenn es nach diversen Wirtschaftsvertretern geht, soll jetzt auch noch die Arbeitszeit verlängert werden“, sagt der PROGE-Branchenvorsitzende Sepp Reisenbichler. Ausbildung, anständige Bezahlung und Gesundheit der Beschäftigten seien in den Vordergrund zu rücken, „damit Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort ist“. Information und Zahlen zum steirischen Wald: • In der Steiermark wächst alle drei Sekunden ein Kubikmeter Holz nach. Das entspricht einem Würfel mit einer Seitenlänge von einem Meter. • In Summe stehen 303 Millionen Kubikmeter Holz in unseren Wäldern. Das entspricht einem Würfel mit einer Seitenlänge von 672 Meter oder rund sechzig Mal dem Volumen des Petersdoms in Rom. • Die Steirische Waldfläche beträgt 1,006 Millionen Hektar. Das entspricht einer quadratischen Fläche von ca. 100 X100 Kilometer Seitenlänge. Die Waldfläche der Steiermark ist gleich groß wie die gesamte Waldfläche der Schweiz. • Rund 99 Prozent des heimischen Waldes ist für die Öffentlichkeit frei begehbar. • Seit der letzten Waldinventur vor sieben Jahren hat der Steirische Wald um 4.000 Hektar (ein Hektar sind 10.000 m²) zugenommen. Das entspricht der doppelten Größe des Wörthersees. • Jedes Jahr werden in unseren Wäldern rund 5,7 Millionen Kubikmeter Holz geerntet. Würde man das gesamte Holz mit der Bahn transportieren bräuchte man dafür rund 88.350 Eisenbahnwagone. Das würde einer zusammenhängenden Strecke von Graz nach Kopenhagen, der Hauptstadt Dänemarks, ergeben. • Ein Kubikmeter verbautes Holz speichert eine Tonne CO2. Das entspricht dem Gewicht eines Kleinwagens. • Statistisch betrachtet verfügt jeder Österreicher und jede Österreicherin über einen halben Hektar Wald, das sind 5.000 Quadratmeter. • Der Pro-Kopf Holzverbrauch liegt in Österreich bei rund 0,6 m³ pro Jahr. Ziel ist es diesen Verbrauch in den nächsten Jahren auf 1,2 m³ zu erhöhen. • Die steirische Forst- und Holzwirtschaft beschäftigt 55.000 Arbeitnehmer. Vergleich: Baugewerbe 33.950; Gesundheits- und Sozialwesen 29.198: Hotellerie/Gastronomie 21.430. • Die steirische Forst- und Holzwirtschaft erreicht einen Produktionswert von rund fünf Milliarden Euro. Mit einem Exportüberschuss von 3,08 Milliarden Euro liegt die Österreichische Forst- und Holzwirtschaft als wichtiger Devisenbringer praktisch gleich mit dem Tourismus   Foto: Habisch

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