„Bauernmärkte sind Kulturgüter“

 

Bürgermeisterin Simone Schmiedtbauer im NEUES-LAND-Interview über das Bäuerinnen-Manifest, die Auswüchse der Registrierkassenpflicht und die Freude am Verkaufen.

 NEUES LAND: Frau Bürgermeisterin, das beim Bundesbauernrat in Salzburg präsentierte Manifest der Bäuerinnen, hat starke Wirkung erzeugt. Wie sehen Sie es?

Simone Schmiedtbauer: Ich kann mich mit jedem einzelnen Punkt identifizieren. Die Bäuerinnen gehen damit einen ganz neuen Weg, der notwendig, aber auch mutig ist. Damit wird eindrucksvoll die Stellung dokumentiert, die die Bäuerinnen mittlerweile auf den Höfen des Landes einnehmen. Es muss in diese Richtung weitergehen!

NL: Im Manifest ist unter anderem von „unerträglichem finanziellen und psychischem Druck“ die Rede. Erleben Sie das in Ihrem Umfeld auch so?

Schmiedtbauer: Ich glaube es ist notwendig, auch die psychische Situation vieler Menschen in der Landwirtschaft anzusprechen. Es geht leider oft um die Existenz und um Sorgen, die unerträglich groß sind.

NL: Sie haben beim Bundesbauernrat mit einer Resolution zur Erleichterung bei der Registrierkassenpflicht auf Bauernmärkten für Aufsehen gesorgt…

Schmiedtbauer: Ich bin sicher, dass die Menschen, die dieses Gesetz erfunden haben, noch nie auf einem Bauernmarkt waren. Bauernmärkte sind aus meiner Sicht Kulturgüter, die auch vor so etwas geschützt werden müssen! Was mich besonders empört ist die Tatsache, dass bisher bis zu einer Umsatzgrenze von 150.000 Euro ein Kassasturz zulässig war. Nun fällt diese Grenze auf 30.000 Euro – da waren Schreibtischtäter am Werk.

NL: Das Sorgenthema Nummer eins in den bäuerlichen Betrieben sind und bleiben aber die zum Teil katastrophalen Preise. Sehen Sie Auswege?

Schmiedtbauer: Ja – derzeit kommt man nur mit Nischen- und Veredelungsprodukten über die Runden. Und es gilt, die Kunden direkt zu erreichen. Damit gelingt es, einem wichtigen Prinzip zu folgen: Lebensmittel müssen etwas kosten, sonst haben die Menschen zu wenig Achtung vor ihnen.

NL: Sie sind Direktvermarkterin und stehen an jedem Samstag am Lendplatz in Graz. Wie fühlen Sie sich in dieser Rolle?

Schmiedtbauer: Mir macht das Verkaufen große Freude. Früher, in der Bank, waren es Wertpapiere und Girokonten, heute ist es etwas von unserem eigenen Hof. Der Bauernmarkt hat seine Besonderheiten: Zu den Produkten gehört ein Gesicht und ein Namen. Und Qualität steht total im Mittelpunkt, denn man will dem Kunden auch in der nächsten Woche wieder in die Augen schauen können.

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentieren

*