Ausgequetscht wie eine Zitrone

Der steigende Leistungsdruck am Arbeitsplatz und oftmals auch im persönlichen Umfeld treibt immer mehr Menschen in eine krankhafte psychische Falle. Und es gibt Zahlen, die alarmieren. Eine Serie von Landesrat Hans Seitinger.

Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann in Österreich muss wegen psychischer Erkrankungen frühzeitig in Pension gehen. Seit Mitte der 90er-Jahre verdoppelten sich die Krankenstandstage wegen Psycho-Drucks. Stress und Burnout sind längst keine Berufskrankheiten von Top-Managern mehr. Sie haben die Mitte der arbeitenden Gesellschaft erreicht.

Die Zahl psychischer Erkrankungen steigt stark: Innerhalb eines Jahres nehmen 900.000 Österreicher wegen solcher Beschwerden Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch. Im Jahr 2006 waren es noch um rund 100.000 weniger. Was  betroffen macht, ist die hohe Wachstumsdynamik. So stieg die Zahl der Krankenstände wegen psychischer Diagnosen in den letzten Jahren  um 25 Prozent, die Zahl der Krankenstände wegen körperlich bedingter Krankheiten um über zehn Prozent.  Dazu kommt, dass diese Erkrankungen  in Österreich jährlich sieben Milliarden Euro an Kosten verursachen.

Hohe Kosten

image001Der renommierte Linzer Volkswirtschaftler Friedrich Schneider hat jüngst eine bemerkenswerte Rechnung erstellt: Wird ein Burn-out-Fall rasch diagnostiziert, entstünden einem Betrieb Kosten von 1500 bis 2300 Euro. Bei später Erkennung steige der Betrag auf bis zu 130.000 Euro. Der Forscher machte darauf aufmerksam, dass psychische Belastungen die zweithäufigste Ursache für Frühpensionierungen seien, die ebenfalls entsprechende Kosten verursachen würden. Das ist leider ein negativer Wirtschaftsfaktor geworden!

Seelenqualen

Die teure Krankheit Seelenqualen sieht in Zahlen gegossen mehr als dramatisch aus:

  • In der EU leiden 30 Millionen Menschen an psychischer Belastung.
  • Österreich verbucht 25 Millionen Krankenstandstage pro Jahr im psychischen Bereich.
  • 250 Millionen Euro pro Jahr werden für Psychopharmaka aufgewendet.
  • 70 Prozent beträgt die Rückfallquote von Burn-out-Patienten.

Und diese Zahlen steigen noch. Denn die Spielregeln in der heutigen Lebenswelt werden sich weiter radikal verändern. Auch die nicht mehr verarbeitbare Masse an Informationen und digitalem Schrott sind Teil dieses Problems. Der wachsende Konkurrenzdruck und die Angst um den Job setzen Mitarbeiter unter Dauerstress. Das spüren vor allem Frauen in Form von  Erschöpfung, Depressionen und Schlafstörungen. Vor allem wachsender Zeitdruck, Mehrfachbelastungen in Beruf, Familie, Altenpflege und öffentlichen Engagements sowie mangelnde Anerkennung ihrer Arbeit machen insbesondere den Frauen zu schaffen. Kein Wunder, müssen sie doch allzu oft die Managerinnen für alles sein und sollen dabei auch noch gute Laune zeigen – das ist kaum machbar.

Mein Fazit: Grundsätzlich ist Arbeit die Sinnerfüllung des Lebens, aber zu viel Arbeit, Druck und Angst in Verbindung mit Mehrfachbelastungen und überreizende Massen an wertlosen Informationen machen krank!

Foto: fotolia.com/Bacho Foto

 

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