Auf die Vielfalt kommt’s an

Singen ist nicht gleich Singen. Ein Überblick über unterschiedliche „Gattungen“ und traditionelle Formen wie Jodeln, Alm-, Jäger- und Wildererlieder.

Singen ist ein gesellschaftliches Phänomen. Und wenn sich die Wissenschaft auch über seine Entstehung nicht ganz einig wird (Was war zuerst: die Sprache oder der Gesang?), dann bleibt für die Experten zumindest die Vielfalt unbestritten. Große Bedeutung in unseren Breiten hat dabei die Chormusik erlangt. Sie gibt es in der uns bekannten Form seit dem 19. Jahrhundert. Alles davor ist solistisch dargebracht worden und wurde später von mehreren Personen gesungen. Bereits in der Antike kannte man eine Art des Vortrags und gemeinsamen Gesangs bestimmter Texte der lateinischen Messe. Die Vielfalt, die sich über die Epochen hinweg entwickelt hat, ist es auch, die den Menschen heute wieder verstärkt Lust macht, in der Gruppe zu singen. „Ja, wir erleben aktuell eine Renaissance des Chorgesangs“, lacht Zuzana Ronck, die es als stellvertretende Obfrau des  Chorverbandes Steiermark wissen muss. Dieser wurde als „Steirischer Sängerbund“ 1862 auf der Basis eines erstarkenden Kulturbewusstseins des Bürgertums gegründet. Zu Beginn hatte er 18 Mitgliedschöre mit mehr als 500 Sängern. Heute ist er für rund 400 Chöre mit rund  10.000 aktiven Sängerinnen und Sängern eine wichtige Service- und Anlaufstelle. Zuzana Ronck ist am Johann-Josef-Fux-Konservatorium in Graz auch für Chorerziehung zuständig und bemüht sich, den Jüngsten den Zugang schmackhaft zu machen: „Es ist ganz wichtig, mit den Kindern zu singen, denn so bekommen sie schon früh einen Bezug zur Musik, zu einem harmonischen Miteinander und den respektvollen Umgang in der Gruppe“, betrachte Ronck die Sache ganzheitlich.

Neben der Popularität des Chorgesangs bei allen Altersgruppen erfreuen sich auch recht „exotische“ Strömungen des Singens, wie das Jodeln oder die „Alm-, Jäger- und Wildererlieder“, großer Beliebtheit, wie Elisabeth Steininger vom Steirischen Volksliedwerk berichtet. Im kommenden Herbst gibt es dazu wieder „Workshops“, die direkt auf der Alm stattfinden. Der Ursprung des Jodelns liegt in der vorhistorischen Zeit, wo es in gebirgigen und unwegsamen Regionen als Verständigungsmittel diente, um unter anderem Vieh anzulocken. Die Jodel-Kommunikationsformen sind jedoch nicht allein ein Spezifikum der Alpen: Sie existieren bei vielen Völkern rund um den Erdball. Im alpenländischen Volkslied wurde das Jodeln schließlich zum Jodel-Lied weiterentwickelt und bereits im 19 Jhdt. in das Repertoire der neu entstandenen Chöre aufgenommen.      Michaela Krainz

 

Chor und Jodeln

Der Chorverband Steiermark ist der Dachverband der Chöre und Gesangsvereinigungen:  chorverband.chormusik.at

Beim Steirischen Volksliedwerk gibt es eine breite Palette an Kursen und Seminaren: www.steirisches-volksliedwerk.at

Jodel-Schule für Autodidakten: www.tradmotion.at

 

Wer gerne singt, dem steht eine Vielfalt an Möglichkeiten zur Verfügung. Aktuell besonders beliebt sind Jodeln (Foto l. oben) oder Alm-, Jäger- und Wildererlieder (Foto l. unten). Auch die Jüngsten singen schon gerne im Chor.

Fotos: Steirischen Volksliedwerk. (2), fotolia.com/highwaystarz

 

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