Auf die alten Regeln ist Verlass

Wer kennt sie nicht, die seit vielen Generationen überlieferten Wetterregeln. Besonders regionale Aspekte haben an Bedeutung gewonnen.

Der vom Wetter abhängige Bauer hat seit Jahrhunderten den Ablauf des Wetters genau beobachtet und daraus seine Vorhersagen gebildet. Um diese sich leichter zu merken, wurden die Wettersprüche meist in Reimen abgefasst. Die wissenschaftliche Meteorologie bestätigt, dass diesen bäuerlichen Wetterregeln eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen ist. Der Tiroler Universitätsprofessor Wolfgang Morscher hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und meint: „Ich bin kein Experte für Wetterregeln, sondern habe für die volkskundlichen Datenbanken www.sagen.at Wetterregeln gesammelt. In persönlichen Gesprächen mit Landwirten ist mir aufgefallen, dass diese die pauschalen Regeln eher belächeln und an deren Stelle die regionalen Wetterkonstellationen sehr ernst nehmen.“ Morscher zählt auch einige solcher regionalen Regeln auf: „Wenn der Bergspitz do hinten einen Bart (Nebel) / Hut (Wolke) trägt, dann kommt Schlechtwetter“, „Wenn do hinten im Tol gelbe Wolken san, dann kommt Hagel“ oder „Wenn der Wetterhahn auf der Kirche auf unsern Hof zoagt, dann kimmt richtig schirches Wetter“. Solche Wetterregeln werden am Hof in der Familie weitergegeben.

Der Wetter Pauli

Ein richtiger Profi im Bereich Wetterregeln und somit bekanntester Wetterfrosch ist ORF-Redakteur Paul Prattes alias Wetter Pauli.

Der Wetter Pauli setzt auf Regeln und Lostage. Foto: Lind

Der Wetter Pauli setzt auf Regeln und Lostage.
Foto: Lind

Der Wetter Pauli setzt auf Regeln und Lostage.[/caption]Der in St. Ulrich im Greith geborene Landwirtssohn und ausgebildete Flugpilot leitet bereits seit 17 Jahren die Wettersendung in Steiermark heute: „Inzwischen habe ich sicher schon zwischen 3500 und 4000 Wetterberichte moderiert. Nach einiger Zeit sind mir jedoch Wetterregeln und Lostage ausgegangen und so ist eben der Spruch des Tages entstanden.“ Doch wie kam der Wetter Pauli überhaupt dazu? Nach seiner Ausbildung am Fliegerhorst Zeltweg wurde zu einem Flug mit dem damaligen ORF-Generalintendant Teddy Podgorski eingeteilt. Auf die Frage, wie man zum ORF kommt, lud ihn der Intendant zu einem sogenannten Sprechertest ein, drei Woche später erhielt Paul Prattes die Zusage, beim ORF arbeiten zu dürfen: „Ich bin nun seit 1987 beim ORF und durfte anfangs gemeinsam mit Gernot Holler die tägliche Sendung „Aus dem Land – für das Land“ moderieren. Holler war auch mein großer Lehrmeister.“

Trefferquote

Als nun Paul Prattes seine eigene Wettervorhersage gestalten durfte, waren für ihn Wetterregeln ein fixer Bestandteil: „Echte Wetterregeln sind vor rund 150 bis 200 Jahren entstanden und wurden meist mündlich überliefert. Um sich diese besser zu merken, wurden sie in Versform verfasst.“ Auf die Frage zur Trefferquote von diesen Regeln kommt es dem Wetter Pauli herausgeschossen: „Zwei Drittel der Regeln haben heute noch Berechtigung, ein Drittel gibt zumindest Hoffnung.“ Und natürlich gibt es vom Wetterprofi auch eine Regel zum derzeitigen Wetter: „Hat der Juli zum Schwitzen keine Lust, dann bringt die Hitze der August.“ Hoffentlich hat er recht.

Ausgewählte Lostage

1.Jänner:

Neujahrsnacht still und klar
deutet auf ein gutes Jahr.
Morgenrot am 1. Tag,
Unwetter bringt und große Plag‘.

2.Februar:

Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß,
gibt’s noch sehr viel Schnee und Eis.

Wenn’s um Lichtmess stürmt und schneit,
ist’s zum Frühling nicht mehr weit.

Lichtmess im Klee,
Ostern im Schnee.

Um Lichtmess sieht der Bauer lieber den Wolf
im Schafstall als die Sonne.

10. März:

Wie die vierzig Märtyrer das Wetter gestalten,
wird es noch 4o Tage halten.

19. März:

Wenn’s einmal um Josefi is,
so endet auch der Winter g’wiß.
Ist’s am Joseftag klar,
so folgt ein fruchtbar Jahr.

Ist es an Josephus klar,
wird es ein gesegnt‘ Jahr.

29. Juni:

Regnet es an Peter Paul,
wird des Winzers Ernte faul.

Peter und Paul klar,
ein gutes Jahr.

15. August:

Hat uns’re Frau gut Wetter,
wenn sie zum Himmel fährt,
gewiß sie guten Wein beschert.

Himmelfahrt Mariä Sonnenschein,
bringt guten Wein.

1.September:

Ist’s an St. Ägidi rein,
wird’s so bis Michaeli sein.

Wie der Hirsch in die Brunst tritt (Agidi),
so tritt er wieder heraus (Michaelis).

Wenn St. Ägid bläst ins Horn,
heißt es: Bauer sä‘ Dein Korn.

31. Oktober:

St. Wolfgang Regen
verspricht ein Jahr voll Segen.

1.November:

Allerheiligen-Reif
macht zur Weihnacht alles steif.

Ist’s zu Allerheil’gen rein,
tritt Altweibersommer ein.

25. November:

Wie das Wetter um Kathrein,
wird auch der nächste Hornung sein.

Wie St. Kathrein
wird’s Neujahr sein. –

Wenn kein Schneefall auf Kathrein is,
auf St. Andreas kommt er gewiß.

4. Dezember:

Geht Barbara im Klee,
kommt’s Christkind im Schnee.

Barbara im weißen Kleid,
verkündet gute Sommerzeit.

21. Dezember:

Wenn St. Thomas dunkel war,
gibt’s ein schönes neues Jahr.

Thuma kehrt den Tag umma.

Friert’s am kürzesten Tage,
so ist’s immer eine Plage.

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