Anerkennung und Weitblick gefragt

Was ist notwendig, damit der Beruf der Bäuerin weiterhin attraktiv bleibt? Prominente Vertreterinnen haben klare Vorstellungen.

Steirische Bäuerinnen sind überwiegend mit ihrem Beruf zufrieden. Damit das auch für künftige Generationen so bleibt, müssen bereits jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Denn nur, wenn sich auch künftig Frauen finden, die diesen Beruf mit Freude ergreifen, kann die heimische Landwirtschaft getrost in eine erfolgreiche Zukunft blicken. NEUES LAND hat dazu namhafte Vertreterinnen befragt.

Im persönlichen Umfeld ist die Wertschätzung unserer Bäuerinnen der Schlüssel zum Erfolg, ist Landtagsabgeordnete Eva Maria Lipp überzeugt: „Innerhalb der Familien hat die Arbeit der Frauen nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sie über zusätzliche Leistungen wie Direktvermarktung einen sichtbaren Beitrag zum Familieneinkommen beisteuern, an Stellenwert gewonnen. Aber auch die unbezahlten Tätigkeiten wie Pflege oder Kinderbetreuung verdienen eine viel stärkere gesellschaftliche Würdigung – nicht nur in der Familie.“ Besonders wichtig sei es aber, dass die Bäuerinnen selbst lernen, ihre eigene Arbeit wertzuschätzen und sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.

Botschafterinnen

„Wir werden so lange Bäuerinnen in unserem Land haben, wie wir gesunde und wettbewerbsfähige Betriebe haben“, stellt Maria Pein, Vizepräsidentin der steirischen Landwirtschaftskammer, fest und zeigt damit auf, wie untrennbar die persönlichen Lebensumstände der Landwirtinnen mit der allgemeinen Situation der heimischen Landwirtschaft verbunden sind. Während das Vertrauen in Lebensmittel aus heimischer Produktion ungebrochen ist und die Bäuerinnen sich allgemeiner Wertschätzung erfreuen, fehlt in der breiten Öffentlichkeit in Zeiten sprechender Werbeschweinchen und einer allgemeinen Sehnsucht nach bäuerlicher Idylle zum Dumpingpreis vielfach das Verständnis für moderne Landwirtschaft. „Wir müssen vermehrt in den Dialog mit den Konsumenten treten, um hier den Interessen der Landwirtschaft zu mehr Beachtung zu verhelfen“, wünscht sich Pein eine Informationsoffensive – unter massiver Einbindung der Frauen. „Die Bäuerinnen punkten mit Glaubwürdigkeit und Authentizität – wir müssen sie daher auch in unseren Gremien deutlicher sichtbar machen“, so Pein.

Mehr Mitsprache

„Unsere Bäuerinnen entscheiden auf den steirischen Höfen gleichberechtigt mit. Jetzt ist es notwendig, diese geänderte Rolle der Frauen in den Gremien abzubilden“, fordert auch Landesbäuerin Auguste Maier. „So wie wir den ländlichen Raum maßgeblich mitprägen, wollen wir die weibliche Perspektive auch überall dort einbringen, wo für unsere Zukunft wichtige Entscheidungen getroffen werden – in der Interessensvertretung ebenso wie in der Landespolitik“, appelliert sie an die Verantwortlichen, interessierten Bäuerinnen die Möglichkeit zu eröffnen, in die entsprechenden Funktionen hineinzuwachsen.

Kulturraum erhalten

Gehen die Frauen, stirbt das Land! Was für den ländlichen Raum ganz allgemein gilt, betrifft auch die heimische Landwirtschaft. „Viele Hofauflassungen sind darauf zurückzuführen, dass auf diesen Betrieben schon jetzt die Frauen und in der Folge die Hofübernehmer fehlen“, unterstreicht Tatjana Fischer, stellvertretende Leiterin des Institutes für Raumplanung und ländliche Neuordnung an der Universität für Bodenkultur in Wien. „Dabei ist die Landwirtschaft in besonders entlegenen Gebieten der Steiermark schon jetzt praktisch der einzige Arbeitgeber. Gelingt es nicht, junge Frauen auf den Höfen und damit in der Region zu halten, drohen mittelfristig unweigerlich der Verlust der gepflegten Kulturlandschaften und die Rückkehr der Wildnis“, mahnt Fischer.

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