Am Bauernhof aus der Krise

Was sie leisten, ist einfach großartig. Pflegefamilien auf Bauernhöfen nehmen Kinder aus Familien auf, die in der Krise stecken.

Oft muss die Entscheidung innerhalb weniger Stunden getroffen werden: Wenn die eigenen Eltern plötzlich nicht mehr für ihr Kind sorgen können, können Pflegeeltern die Rettung sein. Sie haben sich dazu bereiterklärt, „ein Kind oder einen Jugendlichen bei sich aufzunehmen, welches oder welcher aus unterschiedlichen Gründen und für unterschiedlich lange Zeit nicht bei seiner leiblichen Familie leben kann“, erklärt man beim Pflegeelternverein „Alternative:Pflegefamilie“ in Graz. Wobei zwischen „Allgemeinen Pflegefamilien“ – wo Kinder längerfristig, oft bis zur Selbständigkeit, bleiben – und „Familienpädagogischen Pflegeplätzen“ unterschieden wird. Letztere sind auf kurzzeitige Unterbringungen spezialisiert, sogenannte „Krisenunterbringungen“.

Eine von steiermarkweit 71 Familien, die „Krisenkinder“ bei sich aufnehmen, ist die von Bäuerin Katharina Wieser aus Frohnleiten.

Krisentelefon

Sie weiß, dass eine Entscheidung oft sehr schnell getroffen werden muss, wenn das „Krisentelefon“ klingelt: „Man wird angerufen und muss innerhalb kürzester Zeit entscheiden, ob das Kind in die eigene Familie passt. Wir hatten schon welche, die dann zwei Stunden später bei uns waren“, so die junge Steirerin, die gemeinsam mit ihrem Mann, Imker Johann Wieser, auch zwei eigene Kinder – die dreijährige Magdalena und der eineinhalb Jahre alten Thomas – hat. „Es stehen immer ein Bett und Kleidung bereit, weil es auch sein kann, dass ein Kind zu uns kommt und gar nichts hat“, erklärt Wieser, die derzeit zwar in Karenz ist, sonst aber sogar Nacht- und Wochenendbereitschaft hat.

Volles Haus

„An einem Sonntag hatten wir gerade volles Haus, also die ganze Familie war zu Besuch, da kam ein Anruf von der Sozialarbeiterin, dass zwei Jugendliche plötzlich Unterschlupf brauchen, weil ihr Vater ins Krankenhaus musste – und dass die beiden außerdem noch nichts gegessen hätten. Ich sagte: „Passt, wir machen gerade Schnitzel“, so die junge Frau, die ihrer Familie sehr dankbar ist, dass sie sie so tatkräftig bei ihrer außergewöhnlichen Tätigkeit unterstützt – die sie selbst übrigens als große Bereicherung sieht.

Neue Situationen

„Man muss immer flexibel sein und sich auf neue Situationen einstellen wollen, das ist sehr spannend“. Wie man mit den unterschiedlichen Fällen umgeht, lernt man bei der Ausbildung, eine gesunde Portion positiver Lebenseinstellung versteht sich für die Steirerin allerdings von selbst. „Ich habe die Grundhaltung, dass jeder sein Packerl mitträgt – das muss man annehmen. Es ist vor allem wichtig, ohne Vorurteile auf ein Kind zuzugehen. Auch auf dessen Eltern“, so Wieser.

 

Alternative Familie

Ein Bereich des Pflegeelternvereines „Alternative:Pflegefamilie“ in Graz ist die Betreuung von sogenannten „Krisenkindern“. Katharina Wieser aus Frohnleiten ist eine von steiermarkweit 71 Krisenpflegestellen, die Kinder aufnehmen, die oft sehr kurzfristig und für einen begrenzten Zeitraum außerhalb der Familie untergebracht werden müssen.

Bild: „Krisenmama“ auf Zeit und zweifache Mutter Katharina Wieser – hier mit ihren beiden eigenen Kindern.

Foto: privat

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