Alte Weisheit stark gefragt

Die Bedeutung der Bauernregeln ist umstritten. Einige von ihnen sind Unsinn und dienen nur zur Belustigung, andere beruhen auf sehr exakte Wetterbeobachtungen.

Warum man laut Bauernregel just am Vinzenztag, dem 22. Jänner, nicht in den Wald gehen darf, ist für den Weststeirer Wolfgang Gutschi ein Rätsel. Aber weil seine Eltern auf diesen Ratschlag stets großen Wert gelegt haben, hält sich der auch der Predinger nach wie vor daran.

Gutschi zählt zu jener großen Gruppe von Menschen, für die Bauernregeln einerseits ein purer Aberglaube sind, andererseits eine sehr präzise Wetterbeobachtung darstellen. Auch der Südoststeirer Johann Scheucher aus Straden gesteht, dass er in jungen Jahren wenig auf Bauernregeln gehalten habe. Heute sieht er das anders, weil er weiß, dass gewisse Wetterphänomene klar zu deuten sind. Als Beispiel nennt er ziehende Wolken: „Külber (Wolken) gegen die Mur, Bauer geh` Fuhr! Külber gegen die Raab, Bauer geh unter`s Dach!“ Oder wenn „der Nirgl prellt“ (Specht klopft), kommt bald Regen. Noch ein Beispiel zitiert Scheucher: „Wenn die Stallgabel rostig wird, kommt mit Sicherheit schlechtes Wetter.“

Die Hl. Kunigunde

Ernst Zwanzleitner, der aus dem Rundfunk bekannte obersteirische Bauer aus St. Gallen, ist von der Sinnhaftigkeit gewisser Bauernregeln fest überzeugt, weil in ihnen ein großer bäuerlicher Erfahrungsschatz steckt. Dass die Hl. Kunigunde (3. März) diejenige ist, die eingefrorene Wasserleitungen am Hof wieder auftauen lässt, hat er vor zwei Jahren selbst erfahren. Schmunzelnd interpretiert er allerdings eine andere Bauernregel, demnach ein besonders fruchtbares Jahr folgen wird, wenn zwischen den Rauhnächten der Wind geht („die Bäume stieren“). „Bei uns am Erbsattel blässt schon seit dem Spätherbst ständig der Wind, wird wohl ein besonders fruchtbares Jahr werden, oder?“

 

Ernst Zwanzleitner 3

Ernst Zwanzleitner

 

Erst am vergangenen Wochenende hat Zwanzleitner mit dem heute 88-jährigen Cousins seines Vaters ein Gespräch geführt, wo ihm die Bedeutung der Bauernregeln und Lostage richtig bewusst geworden ist. Der Verwandte hat ihm erzählt, dass er früher als Bergbauer, vor allem in den Kriegsjahren, bis auf die Bauernregeln, den Mandlkalender und den Hundertjährigen Kalender überhaupt keine anderen Möglichkeiten für eine Wettervorschau gehabt hat.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEUES LAND.

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentieren

*