„Alles ist noch schlimmer“

In der Steiermark haben Apfel- und Weinernte mit bitteren Enttäuschungen begonnen. Die Schäden sind noch größer als angenommen.

Seit einigen Tagen läuft in der Steiermark die Apfelernte – soweit man sie nach all dem, was die Extremwetterlagen an den Plantagen angerichtet haben, überhaupt noch so bezeichnen kann. Auch Rupert Gsöls, Obmann der Steirischen Erwerbsobstbauern und Präsident des Bundes-Obstbauverbandes, steckt in diesen Tagen in seinem Betrieb in Raabau bei Feldbach mittendrin in der Apfelernte. Wir  haben ihn in verständlicher Weise sehr emotionellen Momenten erlebt. Gsöls: „Hier fehlen einem immer wieder die Worte – das heurige Jahr ist einfach ein Wahnsinn!“ In diesen Tagen der Ernte schlägt die Stunde der Wahrheit und die sieht, so Gsöls, bitter aus: „Die Situation ist leider noch schlimmer als wir geglaubt haben. Die Ausfälle sind größer und bei den verbliebenen Mengen lässt leider auch vielfach die Qualität zu wünschen übrig. Auch die schöne Ware kann man leider häufig nicht wirklich als schön bezeichnen.“

Zwanzig Prozent

Präsident des Landesweinbauverbandes Steiermark Johann Dreisiebner: „Gerechtigkeit gibt’s keine. Alles ist einfach so gekommen, wie die Natur es wollte.“ Foto: www.mediendienst.com/Fotostudio Sissi Furgle

Präsident des Landesweinbauverbandes Steiermark Johann Dreisiebner: „Gerechtigkeit gibt’s keine. Alles ist einfach so gekommen, wie die Natur es wollte.“

In der eigenen Anlage fährt der Obstbauern-Obmann nicht mehr als 20 Prozent einer normalen Durchschnittsernte ein. Es gibt aber auch Betriebe, erzähl

Obmann der Steirischen Erwerbsobstbauern Rupert Gsöls: „In der eigenen Anlage nicht mehr als 20 Prozent einer normalen Durchschnittsernte.“

Obmann der Steirischen Erwerbsobstbauern Rupert Gsöls: „In der eigenen Anlage nicht mehr als 20 Prozent einer normalen Durchschnittsernte.“

t er, die mit einem Totalausfall konfrontiert sind, welche, die mit drei Kisten nach Hause gehen und andere, die Gott sei Dank eine volle Ernteleistung einfahren können. Besonders schmerzhafte Anblicke für Gsöls und seine Kollegen sind die vielen „Apfel-Zombies“, wie Gsöls sie nennt, auf den Bäumen. Bei ihnen haben die Folgen der Frostkatastrophe zu schwersten Verformungen geführt, man kann vielfach kaum noch erkennen, dass es sich um Äpfel handelt. Zahlreiche von ihnen sind überhaupt nur winzig klein, manche ein wenig gewachsen, einige sehen aus, als hätte man ihnen irgendwann einen Gürtel um die Mitte geschnürt. Gsöls erklärt all das mit Zellschädigungen, die an betroffenen Stellen der Früchte das Wachstum blockiert haben.

Auch viele Weinbauern haben bereits in der vergangenen Woche mit der Lese begonnen, erklärt Johann Dreisiebner, der Präsident des Landesweinbauverbandes Steiermark. Er selbst zählt auch dazu und kommt dabei immer wieder ins Grübeln: „Gerechtigkeit gibt’s keine. Alles ist einfach so gekommen, wie die Natur es wollte.“ Besonders grausam war die Natur, um bei seinen Worten zu bleiben, in der Weststeiermark, wo nach letztem Stand der Erkenntnisse bis zu 95 der Ernte verloren sind. Im Durchschnitt dürfte die Ausfallsquote, schätzt er, zwischen 75 und 80 Prozent liegen.

Balance

Weil viele Stöcke, wie er sagt, „nicht in Balance sind“, hat man sich vielerorts dazu entschlossen früher mit der Ernte der verbliebenen Trauben zu beginnen, um nicht auch noch weitere Mengen durch drohende Fäulnis zu verlieren. Damit war allerdings dann auch der Reifegrad nicht ganz so hoch, wie er sein sollte. In dieser für den

steirischen Weinbau so tragischen Situation gibt es auch einen kleinen Trost, von dem nicht viele etwas haben: „Das Potenzial des Jahrgangs ist großartig. Es wird sehr geschmacksintensive und hoch aromatische Weine geben – leider halt viel weniger als erhofft. Eher positiv sieht es, soweit sich das jetzt abschätzen lässt, für Sauvignon und Weißburgunder aus.“

 

Fotos: www.mediendienst.com/Fotostudio Sissi Furgler

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