„Wir halten immer stärker zusammen“

Direktvermarkterin Katharina Gerlitz ist eine Pionierin bei Produktinnovationen. Sie hat das Grazer-Popcorn und anders erfunden.

NEUES LAND: Sie zählen zu jenen 40 Ausstellerinnen und Ausstellern bei der Netzwerkmesse Lebensmittelpunkt, die dieser Tage bereits zum zweiten am Freitag am Steiermarkhof in Graz über die Bühne geht. Was erhoffen Sie sich von ihrem Auftritt?

Katharina Gerlitz: Es ist natürlich eine tolle Gelegenheit, unsere Produkte im Rahmen dieser Messe neuen Kunden zu präsentieren. Weiters nutzen wir die Gelegenheit, Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen. Dabei kann ich eine erfreuliche Entwicklung feststellen: Wir Bauern halten immer stärker zusammen.

NL: Ihr Gemüsebaubetrieb in Graz ist ja durch eine besondere Produkt-Innovation bekannt geworden: dem Grazer Popcorn. Wie kamen sie auf diese Idee und wie läuft die Vermarktung?

Gerlitz: Weil ich es leidenschaftlich gerne esse und meine Suche nach regional produzierten Popcorn erfolglos geblieben ist, wollte ich es selber produzieren. Im Jahr 2015 starteten wir mit dem ersten Versuch, letztes Jahr gingen wir offensiv in die Vermarktung und heuer haben wir bereits einen Hektar spezielles Popcorn-Mais angebaut, weil die Nachfrage enorm groß ist.

NL: Wie produziert man Popcorn-Mais?

Gerlitz: Eine riesige Herausforderung ist die Ernte, denn der Mais muss mit dem ganzen Kolben geerntet werden. Da wir dafür keine passende Maschine gefunden haben, mussten wir das mit Hilfe von vielen Freunden händisch erledigt.

NL: Obst und Gemüse werden bei Ihnen nicht nur frisch vermarktet, sondern auch in besonders kreativ verarbeiteter Form zum Kunden gebracht. Welche dieser beiden Schienen ist wichtiger geworden?

Gerlitz: Natürlich steht im Sommer das Frischgemüse im Vordergrund. Doch weil wir unsere Tomaten und Paprika nicht mehr zur Gänze verkaufen konnten, gingen wir in die Verarbeitung. Das hat sich hervorragend bewährt und die übertrifft anteilsmäßig bereits den Verkauf von Frischgemüse.

NL: Sie benutzen neben dem eigenen Hofladen auch zahlreiche andere Vermarktungswege. Das ist mit einem großen logistischen Aufwand verbunden. Wie bewältigen Sie diesen?

Gerlitz: Da stehen wir immer wieder vor großen Herausforderungen, da die Nachfrage schneller stieg als unsere Produktion. Grundsätzlich beliefern wir unsere Partner wie etwa die Genussläden in den Lagerhäusern in regelmäßigen Intervallen. Gibt es genug Bestellungen, liefern wir gleich selbst aus, anderes verschicken wir mittels Paketdienst.

NL: Sie haben schon jetzt eine beeindruckende Produktpalette – Suppen, Sugo, Eingelegtes, Likör oder Schnäpse zählen dazu. Auf welche Neuheiten können sich Kunden in Zukunft freuen?

Gerlitz: Da gibt es ganz viele Ideen. Wir setzen auf Nischenprodukte, bauen seit kurzem auch Buchweizen, Raps und Soja an. Aus dem Raps möchte ich das Öl für unsere eingelegten Produkte selber pressen. Soja wollen wir ebenfalls zu Öl verarbeiten, aber auch Sojamilch und Tofu soll es geben.

NL: Die Direktvermarktung hat auch eine stark menschliche Dimension. Sie kennen die Wünsche dieser ganz genau. Wie beeinflusst das ihre Arbeit?

Gerlitz: In unserem Hofladen haben wir täglich Kundenkontakt. Dies hat zwei Vorteile: erstens kann ich die Produkte genau beschreiben und zweitens kann ich auf spezielle Wünsche reagieren. Beispielsweise bei Sojamilch war es so.

Zur Person:

Nach dem Tod des Vaters im Jahre 2013 übernahm Katharina Gerlitz (33) den Acker- und Gemüsebaubetrieb in Graz Liebenau. Die dynamische Direktvermarkterin absolvierte die LFS Alt Grottenhof und danach die HBLA Raumberg. Derzeit werden 28 Hektar Acker bewirtschaftet und ein Hofladen geführt.

 

 

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